Veranstaltungsberichte

Ensemble TedescoIm Rahmen des Kultursommers Südhessen gastierte am ersten Julisonntag das Ensemble Tedesco, eine Gruppe von vier engagierten Musikerinnen aus dem Raum Hannover, die ein sehr abwechslungsreiches Programm präsentierten. Zu Beginn sorgte ein flott gespieltes Serenaden-Quartett von Joseph Haydn für die Einstimmung in die Musik der Barockzeit. Es folgte ein Andante cantabile der 1. Violine, begleitet durch Pizzicati der übrigen Stimmen, ein rustikales Menuett und ein furioses Finale Scherzando. Das anschließende Stück von Mozart, das dieser seinem Freund und Lehrer Haydn gewidmet hatte, brachte ganz andere Klänge. Schon die düstere Tonart d-moll, als auch die Bach nachempfundene Struktur der Komposition zeigte einen erheblichen Kontrast zu dem Eingangsstück. Schnelle Sextolen-Läufe und rhythmische Wechsel erwiesen sich als besondere Herausforderung für die Oberstimmen. Mozart soll dieses Quartett während der Geburtswehen seiner Frau Constanze komponiert haben, wie diese später erzählte. Der Schlusssatz, ein tänzerisches Variationen-Finale im 6/8-Takt, lässt die Erleichterung nach überstandener Geburt erahnen.
Nach der Pause standen ungarische Werke auf dem Programm. Die Sprecherin des Ensembles gab zunächst eine kurze Würdigung des Komponisten Zoltán Kodály. Ebenso wie sein älterer Freund Béla Bartok betrieb Kodály als Professor für Musiktheorie und Komposition an der Universität Budapest Volksliedforschung und sammelte Hunderte ungarischer Volkslieder. Die Themen seiner Kompositionen wie auch das aufgeführte Streichquartett sind dieser Volksmusik nachempfunden. Der erste Satz, ein Allegro, beginnt zwar in einem etwas fremden impressionistischen Stil, geht aber rasch über in ungarische Klänge mit tänzerischen Rhythmus. Es schließt sich danach ein langsamer Übergangsteil an – quasi recitativo – gefolgt von einem Allegro giocoso mit verschiedenen kontrastierenden Themen aus der ungarischen Folklore.
Den Abschluss des Abends bildeten zwei Walzer von Antonin Dvořák, ursprünglich für Klavier komponiert, später aber von ihm selbst für Streichquartett umgeschrieben. Starker Beifall der Zuhörer veranlasste das Ensemble zu einer Zugabe mit einem ungarischen Tanz von Johannes Brahms.
FJS

 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte am 08.07.2014 einen Bericht, der hier wiedergegeben ist.

Bericht der F.A.Z.

Veranstaltung "Tagebücher"Extra aus Berlin angereist, präsentierte der Regisseur Jan Peter Teile der TV-Reihe "14-Tagebücher des Ersten Weltkriegs". Zuvor hatte Jürgen Poth aus Reinheim mit einem selbst komponierten Lied über den 1. Weltkrieg und seine Folgen die sehr einfühlsame Hinführung zu diesem schwierigen Thema zu Gehör gebracht.

Nach kurzen Einspielungen der Urfassung, die in 8 Teilen auf "arte" lief, erläuterte er die Entstehung und den Erfolg der internationalen Produktion. Bemerkenswert waren seine kleinen Anekdoten, die sich im Laufe der 4jährigen Recherchen ergeben haben, so z.B. dass viele Tagebücher erst dank ihrer Nachfragen entdeckt und teilweise erstmals publiziert wurden. Bei dem 50-Personen-Filmteam waren nur drei Deutsche, so dass diese als "Urenkel der damaligen Kriegstreiber" oft keine einfache Position hatten und doch gerade die gemeinsame Produktion zur Verarbeitung der Vergangenheit beitrug. In 45 Ländern wurden mittlerweile die "Tagebücher" gezeigt und dort sehr intensiv wahrgenommen.

Vor einigen Jahren gelang es noch nicht, zu "Napoleon" eine gemeinsame französisch-deutsche Position und TV-Produktion zu realisieren, umso erfreulicher war jetzt die enge Kooperation mit dem Nachbarland.

Sehr persönliche Beiträge aus dem Publikum bereicherten den Abend und gaben Einblick in das Roßdorf von vor 100 Jahren.

Jan Peter zeigte sich über das Interesse und die Resonanz sehr überrascht und erfreut. Spontan spendete er sein Honorar dem Verein und kam gar selbst für die Übernachtung auf.

Der Kulturhistorische Verein stellt Interessierten die umfangreiche DVD mit den 8 Teilen der Serien zur Ausleihe zur Verfügung. Dies ist während der Öffnungszeiten des Museums in der Remise möglich.

E.J.

Fekete zum 90.Am 15. Juni 2014 endete die Ausstellung im Museum Schloss Fechenbach mit einer Finissage und einer Führung durch die Ausstellung mit Dr. Roland Held. Rund fünfzig Interessierten konnte Held Feketes Bilder näher bringen, wie z. B. das Ölbild von 1970 „Ich könnte Bäume ausreißen", das in Form und Farbigkeit an Bilder von Franz Marc erinnert. Aber auch Farbholzschnitte wie „Pilar" von 1962 eine Reminiszenz an eine liebgewonnene Kleinstadt in seiner Interimsheimat Argentinien. – E.F. erwähnte einmal Held gegenüber: „Ich bin abgestempelt als Farbholzschneider, aber ich liebe auch alle anderen Techniken". So zeigte die Ausstellung neben seinen farbenfrohen Farholzschnitten auch Pastelle, Hinterglasbilder, wunderschöne Skulpturen, Keramik- und Emaillearbeiten sowie Bücher, die Fekete illustrierte.

Die Ausstellung im Museum Schloss Fechenbach war für das Museumsteam und auch für die Fekete Stiftung im Kulturhistorischen Verein Roßdorf ein großer Erfolg, wurde sie doch von immerhin 1132 Personen besucht. Schade, dass E.F. diese Ausstellung nicht mehr erleben konnte. Wichtig war dem Künstler, dass er mit seinen Werken den aufmerksamen Betrachter ansprechen und dessen Augensinn in Entzücken und dessen Phantasie in Hochtouren versetzen kann. Wir hoffen, dass dies mit dieser Ausstellung ein Stück weit gelungen ist.

Der Fekete-Beirat bedankt sich nochmals ganz herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit mit der Museumsleitung Dieburg und ihrem Team, ebenso dem Bürgermeister der Stadt Dieburg, Herrn Dr. Werner Thomas, dass er es ermöglichte, die Werke Feketes im Museum Schloss Fechenbach auszustellen. Weiterhin bedanken wir uns bei Herrn Claus Netuschil vom Kunstarchiv Darmstadt für die Beratung und die Bilder, die er uns für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hat, sowie allen Helfern, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben.

Zu dieser Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum Roßdorf für 5,00 € zu erwerben ist.

Ursula Bathon

gARTen 2014KHV Roßdorf beteiligt sich mit Kunst im Museumsgarten

Der Kulturhistorische Verein Roßdorf beteiligte sich an der Aktion "gARTen 2014", bei der am 28.06.2014 an 15 Orten Kunst in privaten Gärten ausgestellt wurde. Das Darmstädter Echo berichtete am 30.06. unter dem Titel "Der Edelpunker bleibt trocken" mit einem Bild aus dem Museumsgarten über die Veranstaltung (Link). In unserem Garten gab es Skulpturen von Thomas Wellner zu sehen.

Eine fulminante Ausstellung im Museum des Kulturhistorischen Vereins Roßdorf

AusstellungseröffnungEin deutliches "Nein" - Im Mittelalter möchte die Chronistin, selbst eine passionierte Köchin und geborene wie gelernte Feinschmeckerin, nicht kochen oder gegessen haben. Aber Eindrücke in diese nicht so besonnte Vergangenheit hat sie und die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Ausstellungseröffnung sich von Dr. Alice Selinger mit großem Vergnügen schildern lassen, am Sonntag, dem 12. Januar im Museum des Kulturhistorischen Vereins Roßdorf.

Was soll man/frau mehr bewundern, die überaus sorgfältig gestalteten, textreichen Schautafeln, die einfallsreich aufgebauten Exponate, das vierköpfige Melibokus-Holzbläserensemble - es war rundum eine Augen- und Ohrenfreude. Gerold Resch, Vorsitzender des Vereins, begrüßte die überaus zahlreichen Gäste, die sich einfangen ließen von den temperamentvoll vorgetragenen mittelalterlich-kulinarischen Informationen von Dr. Alice Selinger, oft mit einem mehr oder weniger gelinden Schauder. Nein, gegessen haben mussten wir Feinschmecker von heute damals sicher nicht. Auch wenn es damals, aus Arabien eingeführt, schon Zucker gab. Die Chronistin hatte ihn bis dato aus Amerika verortet, nach Kolumbus. Sei's drum, soviel an kulinarischer Information aus dem Mittelalter hat die Chronistin an diesem Nachmittag noch nicht erfahren. Deshalb: Kommen Sie - die Ausstellung ist sonntags von 15 bis 17 Uhr bis zum 23. Februar geöffnet. Großeltern sollten ihren Enkelinnen und Enkeln dieses Erlebnis ermöglichen - Hildegard von Bingen würde fröhlich lächeln und dem Melibokus Holzbläser-Quartett unter der Leitung von Professor Schoenes interessiert lauschen, ist sich nicht nur Gerold Resch sicher.

Text: Ursula Dehmer-Blohm, Foto Siegmar Dehmer

Michaele Scherenberg als Märchen-Erzählerin im Kulturhistorischen Verein in Roßdorf am 17. Nov.2013

Brigitte Pokinskyi mit Michaele ScherenbergMit der eigenen Stimme spielen, das gelingt Michaele Scherenberg zum großen Vergnügen der Gäste in der gut besuchten Remise am Sonntag, dem 17. November.

Begrüßt von Brigitte Pokinskyi zeigte die Märchenerzählerin ihre unbefangene Freude an diesem Abend der etwas anderen Art.

Eigene und ausgewählte Texte der Gebrüder Grimm brachte sie variantenreich zu Gehör. Es waren Kunstmärchen, die hier lebendig wurden. Der böse König, der den armen Flickschuster stramm stehen ließ – wer kennt diesen Beruf noch? Die Langfassung dieser – sagen wir mal „Legende“ – löste Betroffenheit aus. Bundesweit wird gegenwärtig zum Mut zum Glücklichsein getrommelt – hier konnte man/frau sich darin üben.

Aus der Remise hinüber ins Museum, wo Wein und Schmalzbrot warteten – die Gastgeberin und Barbara Hechler als Pausenfüller waren große Klasse.

Noch einmal Michaele Scherenberg mit Gedichten, Versen und eben Märchen, kein Gast, der sich hier nicht angesprochen fühlte. Wie schön, dass diese Märchenfee eine große Auswahl ihrer CDs zum Verkauf mitgebracht hatte. So hatte jeder Gast die Chance, eine einfühlsame Vortragende in Hörfassung in Erinnerung zu behalten.

Es war ein gegenseitiges Nehmen und Geben an diesem Abend und mehr als nur eine Anregung und Ermunterung zum Glücklichsein.

Danke, Michaele Scherenberg und danke an die Veranstalter.

Text: Ursula Dehmer-Blohm, Foto: Siegmar Dehmer

Papierhandwerk

Bericht von der Eröffnung der Ausstellung im Roßdörfer Handwerksmuseum

Wie der Titel der am 3. Oktober 2013 im Museum Roßdorf eröffneten Ausstellung schon andeutet, zeigt diese Handwerk und Kunst und die Verbindung, die zwischen beiden besteht.

Auch der 1. Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins, Gerold Resch, wies bei seiner Begrüßung der Besucher darauf hin, indem er das Handwerksmuseum als besonders geeigneten Ort für diese Ausstellung nannte. Er begrüßte Prof. Lothar Göttsching als Redner der Veranstaltung, die Mühltaler Künstlerin Gundel Hädeler und Dr. Rudolf Schug als den Gestalter der Ausstellung zur Geschichte von Schriftträgern, Papieren, Pseudopapieren und ihrer Herstellung und Verwendung. Der "Altpapierpapst" Prof. Göttsching führte lebendig und locker in die Ausstellung von Dr. Schug ein und machte die Besucher neugierig mit seiner Bemerkung, er sei beeindruckt von der lückenlosen anschaulichen Darstellung der Geschichte des Papiers. Dr. Schug stellte Gundel Hädeler vor und dankte ihr für die Bereitschaft, die Ausstellung auf reizvolle Art mit ihrer Kunst zu erweitern.

Die Werke von Gundel Hädeler ergänzen teils die Ausstellung von Dr. Schug im Erdgeschoß des Museums als künstlerische Beispiele handwerklicher Papierherstellung. Ihre Papierskulpturen, auf Sockeln verteilt in der aktuellen Ausstellung in der Fekete-Galerie, bereichern diese auf überraschende Weise. Hier kann der Besucher die aus Pflanzen ihrer Umgebung von Gundel Hädeler selbst hergestellten vielfarbigen Papiere bewundern, aus denen sie die klar konturierten phantasievollen Objekte über dafür gefertigten Holzformen hergestellt hat. Dies ist ein Verfahren, wie wir es auch aus der Spenglerei und der Hutmacherei in der Museumsremise kennen. Mit bewusst eingesetzten unterschiedlichen Fasern und unterschiedliche Bearbeitungsweisen erreicht sie lebendige Farbfolgen, sogar innerhalb eines Papierbogens. "Die häufig verwendeten archaisch anmutenden Formen (der Objekte) korrespondieren dabei mit der Ursprünglichkeit des Materials".

Was Prof. Göttsching zur Ausstellung von Dr. Schug gesagt hat, kann sich der Besucher beim Studium der sorgfältig zusammengestellten und präzise erklärenden Texte an Tafeln und in Vitrinen bestätigen. Dabei erfährt er etwas über die Erfindung des Papiers um 100 n. Chr. und die Entwicklung von Herstellungstechniken in China und nach der Ausbreitung der Kenntnisse über die Papiermacherei in Europa über die Entwicklung neuer Technologien dort vom 16. bis 19. Jahrhundert. Ausgestellte Muster von Papieren und Papiererzeugnisse – Kostbarkeiten aus dem Besitz von Dr. Schug und Leihgebern - machen das Erklärte anschaulich und abwechslungsreich für den Betrachter. Besonders interessant sind die schon seit frühster Zeit in der Südsee und vor der Entdeckung Amerikas in Mittelamerika hergestellten Pseudopapiere. Aus Tapa, dem versponnenen Bastteil des Papiermaulbeerbaums werden auf den Inseln der Südsee vielfältig verwendete Stoffe gewebt.

Dieser Bericht kann nur anregen, aber einen Besuch der gelungenen Ausstellung nicht ersetzen.

U. Richter

Der Kulturhistorische Verein feierte mit Gästen und Attraktionen

Foto: Siegmar DehmerAlso, schöner hätte das Wetter nicht sein können am Sonntag, dem 4. August 2013, als im wildromantischen Garten hinter der Remise zum Sommerfest geladen wurde. Kaffee und Kuchen an einer Theke, Getränke an der zweiten - Barbara Hechler und ihre engagierten Helferinnen und Helfer hatten auch fürs Vespern gesorgt. Nicht nur Speis und Trank, auch engagierte Gespräche sorgten für Stimmung, Spa8 und Fröhlichkeit.

Bernhard Daubner lud am Keyboard ebenso ein wie die Aussteller Bernd Köhler mit Windobjekten, Rudolf Stegemann mit Korbflechtereien, der "Löffelschmied" Ralf Eckert und Hannes Metz aus Roßdorf.

Statt vieler Worte ein großes Dankeschön für diese Veranstaltung und hoffentlich zum gleichen Anlass ein Wiedersehen im Jahr 2014.

Text: Ursula Dehmer-Blohm,  Foto: Siegmar Dehmer

Eine Matinee zu Ehren des Künstlers im Roßdörfer Museum des Kulturhistorischen Vereins

Foto: Siegmar Dehmer"Stets war er vom Kampf um das nächste Bild erfüllt" - wer die überwältigende Fülle der Bilder und Holzschnitte im Roßdörfer Museum auf sich wirken lässt, kann nicht anders, als Dr. Roland Held zuzustimmen. Wann, fragt man/frau sich, hat dieser besessene Künstler sich Zeit genommen für anderes als den Umgang mit Farbe und Holz?

Danken wir am Beginn dieser Riesenschau den Arrangeurinnen. Sie haben ein Arrangement zusammengestellt, das sich nicht auf einen oder zwei Blicke erschließt.

Es war eine beeindruckende Matinee am sommerseligen Maisonntag, dem 14. Juli 2013 in Roßdorf. Dem vor einigen Jahren verstorbenen Künstler Esteban Fekete hätte sie ebenso gefallen, wie die zahlreichen Bewunderer seine Gestaltungskraft.

Ursula Paschke las aus seinen Schriften, bevor Ursula Bathon die Ausstellung offiziell eröffnete und mit großem Erfolg einlud zum Rundgang. Bis Ende 2013 ist die Ausstellung jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Anschließend lädt Barbara Hechler zu Kaffee und Kuchen in die Remise. Willkommen zu Kunst und Kaffee.

Text: Ursula Dehmer-Blohm,  Foto Siegmar Dehmer

Eva Maria PollerusAls eine der ersten Veranstaltungen des diesjährigen Kultursommers Südhessen fand am Samstag, dem 22.6.2013 im Museum Roßdorf ein Konzert mit der Cembalistin Eva Maria Pollerus statt. Die junge Künstlerin ist seit vergangenem Jahr Professorin für das Fach Cembalo und Generalbass an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt.

Sie absolvierte ihre Ausbildung an den Universitäten Graz und Wien, nahm danach an zahlreichen Meisterkursen teil und sammelte bereits in frühester Kindheit Bühnen- und Wettbewerbs­erfahrung. Als Solistin und Ensemble-Begleiterin ist sie gefragter Gast namhafter Festivals und renommierter Konzertreihen für Alte Musik.

Zu hören war bei ihrem Auftritt in Roßdorf Musik aus Deutschland und Frank­reich aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es handelte sich hierbei vorwiegend um Kompo­sitionen mit programmatischem Hintergrund, den Frau Pollerus engagiert und charmant zu erklären wusste. Von Johann Sebastian Bach stammt z. B. ein Capriccio über den "Abschied von dem geliebten Bruder". Jeder der Sätze ist mit einem Thema überschrieben, das Lamento über den Verlust des Bruders, die Vorstellung möglicher Gefahren in der Fremde, der Postillon und zum Abschluss eine Fuge über das Thema Postkutsche. Von Johann Kuhnau stammen die "Musicalische(n) Vorstellungen" der Historie von der wunder­samen Gesundung des todkranken Hisikias, von Johann Jakob Froberger eine lustige, in Musik gefasste Geschichte über einen dramatischen Zwischenfall bei einer nächtlichen Bootsfahrt auf dem Rhein. Die einzelnen Schritte dieser Musik wurden von der Vortragenden detailliert und in kleinen Blöcken vorgestellt, so dass die Zuhörer diese nachvollziehen konnten. Die Cembalistin beeindruckte nicht nur durch ihre präzise und virtuose Technik, sondern auch durch ihre Fähigkeit, den verschiedenen Themen dieser Programm-Musik mit all ihren Schattierungen gerecht zu werden. Das zärtliche Singen der Vögel in dem Eingangsstück von Jean Philippe Rameau gelang ihr genau so realitätsnah wie das unmittelbar darauf folgende Poltern des Tambourins.

Mehrere konkurrierende Veranstaltungen an diesem Wochenende hatten dazu geführt, dass das Konzert nicht allzu gut besucht war. Die anwesenden Zuhörer waren jedoch begeistert und spendeten lang anhaltenden Beifall.

FJS

Zu Beginn seines Vortrags am 14.6. erläuterte Dr. Horst Bathon die von ihm verwendeten im 20. Jahrhundert geprägten Begriffe, mit denen eingeschleppte Arten bezeichnet werden, wobei zwischen dem langen Zeitraum vor der Entdeckung Amerikas und der Entwicklung seit dem Jahr 1492 unterschieden wird. Sein Vortrag handelte dann davon, wie Neozoen in jüngster Vergangenheit unsere Fauna und Flora und damit auch den Menschen bedrohen oder bereichern können.

Obwohl es sich nur um einen einen kleinen Teil der etwa 1500 z.B. absichtlich eingeführten, über durch Kanäle vernetzte Wasserwege eingewanderten oder von Flugzeugen und Schiffen eingeschleppten Neozoen handelt, bildete die ständige oder zeitweilige Bedrohung durch diese den Schwerpunkt der Darstellung. Sie wurde mit Bildern und Graphiken veranschaulicht und war in der Beurteilung der Folgen sehr ausgewogen.

Zu den bekannteren bedrohlichen Neozoen gehören Waschbär, Nilgans und asiatischer Marienkäfer. Aber natürlich gab es auch positive Beispiele wie die zur Blutlausbekämpfung auf Obstbäumen eingesetzte Blutlauszehrwespe.

Probleme bilden u.a. das Einschleppen von Krankheitserregern, die Mensch und Tier befallen können, die Verdrängung einheimischer Arten und die Veränderung von Ökosystemen. Abschließend sprach Dr. Bathon über gegen Bedrohungen mögliche Maßnahmen, die von Behörden ergriffen und von Privaten befolgt werden können – mit unsicherem Erfolg. Der klar gegliederte Vortrag half den dankbaren Zuhörern, ihre Kenntnisse zu erweitern und zu ordnen.

U.R.