Der sehr engagierte Stadtführer zeigte uns die verschiedenen Epochen der Mainzer Stadtgeschichte. Der rechtsrheinische Stadtteil besaß viel Industrie und war deshalb im 2. Weltkrieg Ziel der alliierten Bombenangriffe. Dazu benutzten sie als Orientierung den Mainzer Dom, der selber nicht zerstört wurde, aber in unmittelbarer Nähe wurde ein Teil der Altstadt stark zerstört, während südlich des Doms der Stadtteil erhalten blieb. Da die rechtsrheinischen Stadtteile nach dem Krieg zur amerikanischen Zone gehörten, die linksrheinischen zur französischen, wurde Mainz geteilt und die rechtsrheinischen Industriegebiete gehören heute zu Wiesbaden.

Wegen fehlender Industrie verzögerte sich der Wiederaufbau in Mainz. In den fünfziger Jahren wurde für den Wiederaufbau schlechtes Material verwendet, so dass in den Siebziger diese Häuser saniert und teilweise abgerissen wurden.

Die Altstadt wurde so aufgebaut, dass hinter den alten Fassaden Neubauten errichtet wurden. Natürlich blieb es auch in Mainz nicht aus, dass durch nicht angepasste Neubauten ein einheitliches Bild des Marktes verhindert wurde.

Der Mainzer Dom wurde gleichzeitig mit dem von Worms und Speyer errichtet, die jeweils einen Tagesritt – 50 km – voneinander entfernt liegen. Während Speyer seinen romanischen Stil erhalten konnte, Worms nur wenig umgebaut wurde, erlebte der Mainzer Dom als Sitz von Erzbischof, Kurfürst und Reichskanzler in jeder Epoche Anpassungen an den Zeitgeist. Dadurch bietet der Dom kein einheitliches Bild. Seine Bedeutung als eine der wichtigsten Kirchen im Reich führten dazu, dass sich der Bau an dem Petersdom in Rom orientierte mit 2 Chören und jeweils einem Altar. Marc ChagallDer Domschatz – im Mittelalter einer der bedeutendsten nördlich der Alpen - wurde von dem Kurfürsten und Erzbischof Albrecht von Brandenburg verkauft, um seinen opulenten Lebensstil zu finanzieren. Das Gestühl mit Ausnahme des barocken Chorgestühls wurde von den napoleonischen Truppen verheizt, als der Dom nach der Völkerschlacht von Leipzig als Lazarett genutzt wurde.

Anschließend zeigte uns der Stadtführer den erhalten gebliebenen Stadtteil südlich des Doms. Hier hat sich geschäftliches Leben mit vielen kleinen Geschäften, Weinkneipen und Restaurants erhalten. Mitten drin liegt die Augustiner Kirche, die als einzige reine Barockkirche erhalten und in den 90er Jahren geschmackvoll saniert wurde.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen sind wir zu St. Stephan mit den berühmten Fenstern von Marc Chagall gegangen. Die Kirche hat ihren gotischen Stil als Hallenkirche bewahrt mit einem schönen Kreuzgang. Das blaue Licht der Fenster vermittelt einen überwältigenden Eindruck. Danach sind wir zurück zum Bus zum Rhein gelaufen und sind pünktlich nach Roßdorf aufgebrochen. Wir hatten den Eindruck, dass es für alle Teilnehmer ein gelungener Ausflug mit vielen neuen Eindrücken war.

Dieter Kollmannsperger