Kammerkonzert im Museum am 23.November 2014

Das schon zur Tradition gewordene Totensonntags-Kammerkonzert im Roßdörfer Museum brachte in diesem Jahr ein Duo mit Violoncello und Klavier zu Gehör. Die Pianistin Friederike Richter und ihr Sohn Johann Caspar Wedell begeisterten das Publikum im vollbesetzten Vortragssaal des Kulturhistorischen Vereins. Friederike Richter ist heute eine anerkannte und viel nachgefragte Musikpädagogin und Jurorin vieler Wettbewerbe bei „Jugend musiziert" im In- und Ausland. An der Darmstädter Akademie für Tonkunst leitet sie eine Klavierklasse, deren Schüler in großer Zahl sich das Konzert anhörten. Johan Caspar Wedell, Student an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, war lange Zeit Mitglied des Landesjugend­orchesters Hessen und der Jungen Deutschen Philharmonie und dort auch als Solocellist tätig.

Das Programm erstreckte sich überwiegend über Komponisten des 19. Jahrhunderts. Es begann mit Beethovens Variationen über das bekannte Duett „Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus der Oper „Die Zauberflöte" von Mozart, ein sehr schlichtes Thema, das jedoch in der Folge kontrapunktreich ausgestaltet wurde. Schon hier wie im weiteren Verlauf des Abends beeindruckte das nuancenreiche Zusammenspiel der beiden Künstler.

Die Cellosonate B-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy stellt ein gewichtiges Werk aus der Romantik dar und erwies sich als der erste Höhepunkt des Abends. Die Ausführenden konnten hierbei mit strahlendem Selbstbewusstsein ihr hohes Niveau in der Interpretation zeigen. Kraftvoll in den Fortestellen, dynamisch gut dosiert, zurückgehalten in den Piano­passagen und immer gut aufeinander abgestimmt gelang beiden eine eindrucksvolle Darstellung des Werkes.

Ein in Deutschland weitgehend unbekannter Komponist ist der französische Cellist und Komponist Auguste-Joseph Franchomme, ein Freund Mendelssohns und Chopins. Seine Variationen über ein russisches und ein schottisches Thema sind auch in der gängigen Literatur nicht zu finden. Dem Cellisten Wedell war es gelungen, Noten dieses Werkes ausfindig und es dem interessierten Konzertpublikum zugänglich zu machen. Das Stück ist sehr melodisch, und insbesondere die Melodie der schottischen Variation kam vielen bekannt vor.

Zuletzt spielten die beiden Künstler die Sonate A-Dur von César Franck, die auch als Sonate für Violine und Klavier bekannt ist. Dieses im Sommer 1886 komponierte Werk folgt der Idee eines Themas, das sich zyklisch durch alle Sätze zieht. Im ersten Satz, überschrieben mit Allegretto ben moderato, ist schon der ganze romantische Stil der Sonate vorgegeben. Ein weiterer Teil der Sonate beginnt mit einem 'Recitativo', das in eine lichte, gesanglich fließende 'Fantasia' von charakteristisch weichem, jedoch intensivem Ausdruck mündet. Dann folgt das in Kanon-Form komponierte Finale Allegretto in hellem A-Dur, belebt von Rück­erinnerungen an den zweiten Satz.

Mit einem als Zugabe gespielten Stück von Dvorak bedankten sich die Künstler für den lebhaften und anhaltenden Applaus der Zuhörer.

FJS