Abschriften mittelalterlicher Handschriften durch Wilhelm Richter

In der heutigen Zeit, in der Texte per Computertastatur erstellt und immer seltener mit der Hand geschrieben werden, steht Wilhelm Richter als ein Mensch, den das harmonische, ästhetische Schriftbild einer kunstvollen Handschrift von Jugend an tief beeindruckt hat.

Besonders begeistert ist Wilhelm Richter von der Pracht mittelalterlicher Handschriften mit ihrem gleichmäßigen Schriftsatz, aufwendig ornamentierten Initial-Buchstaben , den Randverzierungen der Blätter und der Formensprache der kolorierten Miniaturen in den Codices.

Früh zeigte sich aber auch schon im Kunstunterricht während seiner Schulzeit sein ausgesprochenes Talent für die kalligraphische Darstellung von Texten, die weit mehr ist als Schönschrift. Zur Begeisterung für schöne Handschriften kam also auch das individuelle Können. Diese Fähigkeit wurde zu seinem Hobby, dem er ausgiebig in seinen Mußestunden und als Ausgleich zu seinem Berufsalltag als Elektroingenieur nachging. Insgesamt entstanden so neben kleineren Arbeiten 15 Abschriften berühmter mittelalterlicher Handschriften, von denen 9 Werke in der Ausstellung gezeigt werden. Darunter befinden sich der Codex Manesse, die Handschrift über die Jagd mit Falken des Verfassers Kaiser Friedrich II., die Prachtbibel König Wenzels von Böhmen, aber auch eigene Schöpfungen wie das ökumenische Evangeliar des Neuen Testaments mit den vier Evangelisten in jeweils eigener Sprache und Schrift in Hebräisch, Griechisch, Lateinisch und Althochdeutsch und mit Illustrierung durch eigene Miniaturen in mittelalterlicher Manier.

Welche staunenswerten Fertigkeiten Wilhelm Richter mit seinen Abschriften mittelalterlicher Handschriften erreicht hat, kann der Besucher der Ausstellung bewundern. Leider konnte Herr Wilhelm Richter an der Eröffnung der Ausstellung wegen einer Erkrankung nicht persönlich teilnehmen, ansonsten hätten die Besucher sicherlich zahlreiche Fragen zu der Art und Weise, wie er solche kalligraphischen Werke geschaffen hat, an Herrn Richter gestellt.

Zur Ausstellungseröffnung waren leider nur wenige Besucher erschienen. Dies lag vermutlich an dem sonnigen Oktoberwetter an dem Samstagnachmittag.

Ein ausführlicher Bericht über die Ausstellung findet sich im Landkreis Darmstadt-Dieburg-Teil des Darmstädter Echos vom 03.11.2015 auf Seite 19 sowie im Echo-Online.

Rudolf Schug