Rund 30 Besucher lauschten interessiert dem mit vielen Farbfotos und Graphiken versehenen Vortrag von Dr. Holger Göldner (ehemaliger Leiter der Außenstelle Hessen Süd von „hessenARCHÄOLOGIE“) über die Zeit des Frühmittelaters in Mitteleuropa.

Am Beginn des Vortrags stand die Zeit der römischen Herrschaft mit ihren vielfältigen Verschiebungen der vielen hier ansässigen Völkerschaften. Besonders die Alamannen drängten von Nordosten südlich vor, wobei 289 n. Chr. erstmals auch der Begriff Alamannen auftauchte. Gegen Ende des 3. Jhs. n. Chr. entstanden germanische Siedlungen abseits römischer Landhäuser und Ortschaften. Zu dieser Zeit kam es auch zu Landnahmen verschiedener alamannischer Stämme südlich des Limes. Innerhalb des „alamannischen Staates“ regierten Kleinkönige, die ihre Sitze auf leicht zu befestigenden Höhen nahmen, so z.B. dem Glauberg in der Wetterau oder der Heuneburg bei Lichtenberg.

Mitte des 5. Jhs. n. Chr. drangen die Alamannen südlich bis zu den Alpen vor, wo sie mit den Franken in Konflikt gerieten. Große Gebiete gerieten unter Chlodwig unter fränkische Herrschaft. Spätetens ab 506 n.Chr. gehörte Hessen zum fränkischen Reich. 498 n.Chr. ließ sich Chlodwig durch Bischof Remigius von Reims taufen. So integrierten sich die Franken selbst in ein christliches Umfeld. Nach Chlodwigs Tod teilten sich die vier Söhne das Erbe. Spätestens nach dem Sieg über die Thüringer geriet auch Nordhessen unter fränkischen Einfluss. Aus dieser Zeit sind keine oberirdisch sichtbaren Denkmäler überliefert. Archäologisch fassbar sind die neuen Herren nur durch Siedlungs- und Grabfunde, in Südhessen allerdings unterrepräsentiert. Dies dürfte der Siedlungskontinuität von der römischen Epoche bis in die Neuzeit geschuldet sein: die alten Siedlungen liegen häufig unter den heutigen Ortskernen, sind also weitgehend zerstört.

Seit der zweiten Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. wurden die Toten unverbrannt und in ihrer Tracht sowie mit Grabbeigaben auf sog. „Reihengräberfeldern“ bestattet. Viele dieser Gräber und ihre Inhalte fielen Raubgräbern zum Opfer. In Südhessen sind 62 Reihengräberfelder mit rund 1000 Bestattungen bekannt. – Am Südrand von Büttelborn plante der Gemeinderat ein umfangreiches Bebauungsgebiet in unmittelbarer Nähe zu einer römischen Siedlungsstelle und einem Reihengräberfeld. Letzteres wurde 1900 quasi im Geschichtsunterricht „entdeckt“. Erst von 1903 bis 1906 erfolgten Grabungen durch Mitarbeiter des Landesmuseums in Darmstadt. Allerdings sind keine Unterlagen dieser Aktivitäten überliefert. Der Büttelborner Lehrer Ernst Martin hat als Augenzeuge der Grabungen 1913 über die Befunde berichtet.
Im April 1998 konnte das Gräberfeld erneut lokalisiert werden. Inzwischen sind etwa 7000 m2 untersucht und 436 Bestattungen aufgedeckt. Die Beraubung liegt mit etwa 87% sehr hoch. Dr. Göldner beschreibt im folgenden Grabbeigaben. Er geht auch auf die ausgegrabenen Skelette und die an ihnen vorgefundenen verheilten und unverheilten Verletzungen ein. Ungestörte Gräber sind meist beigabenlos, was auf den Einfluss des Christentums zurückgeführt werden kann. Zum Abschluss seines Vortrags ging Göldner noch kurz auf Hügelgräber bei Roßdorf ein, von denen eins bei der Fundamentierung der Windkraftanlagen auf dem Tannenkopf angeschnitten wurde, das sich allerdings als leer erwies.

Nach seinem Vortrag beantwortete Göldner noch eine Anzahl Fragen aus der Zuhörerschaft, bevor er mit langanhaltendem Beifall entlassen wurde.

Ursula Bathon