Veranstaltungsberichte

Rund 30 Besucher lauschten interessiert dem mit vielen Farbfotos und Graphiken versehenen Vortrag von Dr. Holger Göldner (ehemaliger Leiter der Außenstelle Hessen Süd von „hessenARCHÄOLOGIE“) über die Zeit des Frühmittelaters in Mitteleuropa.

Am Beginn des Vortrags stand die Zeit der römischen Herrschaft mit ihren vielfältigen Verschiebungen der vielen hier ansässigen Völkerschaften. Besonders die Alamannen drängten von Nordosten südlich vor, wobei 289 n. Chr. erstmals auch der Begriff Alamannen auftauchte. Gegen Ende des 3. Jhs. n. Chr. entstanden germanische Siedlungen abseits römischer Landhäuser und Ortschaften. Zu dieser Zeit kam es auch zu Landnahmen verschiedener alamannischer Stämme südlich des Limes. Innerhalb des „alamannischen Staates“ regierten Kleinkönige, die ihre Sitze auf leicht zu befestigenden Höhen nahmen, so z.B. dem Glauberg in der Wetterau oder der Heuneburg bei Lichtenberg.

Mitte des 5. Jhs. n. Chr. drangen die Alamannen südlich bis zu den Alpen vor, wo sie mit den Franken in Konflikt gerieten. Große Gebiete gerieten unter Chlodwig unter fränkische Herrschaft. Spätetens ab 506 n.Chr. gehörte Hessen zum fränkischen Reich. 498 n.Chr. ließ sich Chlodwig durch Bischof Remigius von Reims taufen. So integrierten sich die Franken selbst in ein christliches Umfeld. Nach Chlodwigs Tod teilten sich die vier Söhne das Erbe. Spätestens nach dem Sieg über die Thüringer geriet auch Nordhessen unter fränkischen Einfluss. Aus dieser Zeit sind keine oberirdisch sichtbaren Denkmäler überliefert. Archäologisch fassbar sind die neuen Herren nur durch Siedlungs- und Grabfunde, in Südhessen allerdings unterrepräsentiert. Dies dürfte der Siedlungskontinuität von der römischen Epoche bis in die Neuzeit geschuldet sein: die alten Siedlungen liegen häufig unter den heutigen Ortskernen, sind also weitgehend zerstört.

Seit der zweiten Hälfte des 5. Jhs. n. Chr. wurden die Toten unverbrannt und in ihrer Tracht sowie mit Grabbeigaben auf sog. „Reihengräberfeldern“ bestattet. Viele dieser Gräber und ihre Inhalte fielen Raubgräbern zum Opfer. In Südhessen sind 62 Reihengräberfelder mit rund 1000 Bestattungen bekannt. – Am Südrand von Büttelborn plante der Gemeinderat ein umfangreiches Bebauungsgebiet in unmittelbarer Nähe zu einer römischen Siedlungsstelle und einem Reihengräberfeld. Letzteres wurde 1900 quasi im Geschichtsunterricht „entdeckt“. Erst von 1903 bis 1906 erfolgten Grabungen durch Mitarbeiter des Landesmuseums in Darmstadt. Allerdings sind keine Unterlagen dieser Aktivitäten überliefert. Der Büttelborner Lehrer Ernst Martin hat als Augenzeuge der Grabungen 1913 über die Befunde berichtet.
Im April 1998 konnte das Gräberfeld erneut lokalisiert werden. Inzwischen sind etwa 7000 m2 untersucht und 436 Bestattungen aufgedeckt. Die Beraubung liegt mit etwa 87% sehr hoch. Dr. Göldner beschreibt im folgenden Grabbeigaben. Er geht auch auf die ausgegrabenen Skelette und die an ihnen vorgefundenen verheilten und unverheilten Verletzungen ein. Ungestörte Gräber sind meist beigabenlos, was auf den Einfluss des Christentums zurückgeführt werden kann. Zum Abschluss seines Vortrags ging Göldner noch kurz auf Hügelgräber bei Roßdorf ein, von denen eins bei der Fundamentierung der Windkraftanlagen auf dem Tannenkopf angeschnitten wurde, das sich allerdings als leer erwies.

Nach seinem Vortrag beantwortete Göldner noch eine Anzahl Fragen aus der Zuhörerschaft, bevor er mit langanhaltendem Beifall entlassen wurde.

Ursula Bathon

Leider fanden nicht alle Interessenten im Museumssaal Platz, als das Ehepaar Menzel am 22.04.2016 von ihrer Weltreise im letzten Jahr erzählte.

Mithilfe von ca. über 240 farbenfrohen Fotos ließen der Roßdörfer Förster und seine Frau die 90 Besucher an einem kleinen Teil ihrer langen Reise teilnehmen.

Nach dem Start im indischen Kerala ging es über Rajasthan und die Wüste Tar nach West-Bengalen. Kleine Anekdoten von den Begegnungen in dem "schmutzigen Land" mit seinen "reinlichen, gastfreundlichen" Bewohnern lockerten die Bilderfolge auf. Frau Menzel hatte über 33.000 Fotos geschossen und für die Roßdörfer Premiere der mehrteiligen Vortragsreihe "Stationen einer Weltreise" die schönsten aus Indien und Myanmar ausgewählt.

Die Weltreisenden hoben vor allem die Tatsache hervor, dass ihnen immer wieder weitergeholfen wurde und ein Kontakt den nächsten ergab. So konnten sie Land und Leute intensiv und ungeschönt erleben. Auch im zweiten Teil des Vortragsabends schilderten sie ihre Erlebnisse, ihr Essen und ihre Begegnungen in Myanmar sehr anschaulich und interessant. Nach der Myanmar-Hauptstadt Yangoon und der Tempelstadt Bagan ging es an den Inle-See und den Goldenen Felsen, den angeblich nur zwei Haare von Buddha vor dem Absturz retten.

Viel zu schnell verflogen die 90 Minuten und doch war es nur ein Sechstel der Menzel-Weltreise. Im Laufe des Jahres soll der 2. Teil folgen, denn nach Indien und Myanmar ging es nach Singapur.

e.j.

am 20.03.2016 im Museum Alter Bahnhof

Foto: Klaus SeiwaldFoto: Klaus SeiwaldBis zum letzten Platz war der Museumssaal besetzt, um den Auftritt unserer Roßdörfer Opernsängerin Anke Haas zu erleben. Auf dem Programm standen bis zur Pause bekannte Opernarien, danach folgten beliebte Operettenmelodien und Musical-Songs. Das Publikum war begeistert von dem brillanten Gesang mit großem Stimmvolumen, der nicht nur den kleinen Museumssaal sondern auch ein Opernhaus gefüllt hätte. Anke Haas schlüpfte in die Personenrolle der jeweiligen Arie und sang mit großer Empathie und sprühendem Charme, der das Publikum erfreute.

Irina Skhirtladze vom Staatstheater Darmstadt begleitete am Flügel die Lieder mit souveräner Technik und dramatisch akzentuierter, melodischer Begleitung.

Mit überwältigendem Schluss-Applaus honorierte das Publikum das Konzert der beiden Musikerinnen.

R. Schug

Mit viel Witz und Abwechslung zeigte der Puppenspieler Major Mustard dem Roßdörfer Publikum am 13.03.2016 seine Show „Zauber Senftopf“. Angeregt von dem lustigen Engländer mit seinen kleinen Geschichten folgten die Kinder, Eltern und Großeltern aufmerksam der bunten Vorführung im Museum. Der Zauberer aus Birmingham spielte die Geschichte der „drei kleinen Schweinchen“ ebenso lebhaft und mitreißend vor wie andere kleine Erzählungen mit Hilfe von Schattenspiel.

Eine kleine Ausstellung der bisherigen Vorführungen von Major Mustard würdigte zudem die Besonderheit, dass der fahrende Zauberer seit nunmehr 20 Jahren Station in Roßdorf macht und immer wieder sein junges und älteres Publikum begeistert.

ej

Vernissage am 23.1.2016

SpurensucheKurz vor 16 Uhr waren alle Bilder gehängt, Objekte platziert und Scheinwerfer ausgerichtet. Der Sekt wurde in Gläser gefüllt, begleitet von Vogelgezwitscher aus den Lautsprechern, ein Vorgeschmack auf die Sinfonie „Das Lächeln der Bäume“. Die ersten Besucher schlenderten schon durch die Ausstellung und mussten nicht im nasskalten Januarwetter vor der Tür stehen.
Während Bernd-Michael Land aus seinen Samplern, Synthesizernund Drumcomputern die ersten Klänge produzierte, füllten sich die Räume der „Galerie alter Bahnhof“. Ursula Bathon konnte im Namen des Kulturhistorischen Vereins ein volles Haus begrüßen, darunter die Bürgermeisterin Christel Sprössler und den Ersten Kreisbeigeordneten Christel Fleischmann.
Erika Liefland stimmte mit einem Gedicht über „Spuren von Uns“ in die Ausstellung ein und zeigte die Bedeutung von Spuren in Kulturen, von der Steinzeit bis zum Internet. Sie sprach auch von Spuren die am Himmel oder am Strand nicht von langer Dauer sind.
Erika Schreiter bedankte sich bei allen Beteiligten und beim Kulturhistorischen Verein für die tolle Unterstützung und Vorbereitung, insbesondere bei der Museumsleiterin Barbara Hechler.
Hannes Metz bedankte sich bei Bernd-Michael Land für seine Bereitschaft, mit seiner Anlage und seinen Klängen Teil der Ausstellung zu werden. Souverän bedient Land seine Regler, Tastaturen und Knöpfe, entlockt sphärische Klänge und Rhythmen die sich hervorragend mit den ausgestellten Werken verbinden. Land hat, ebenso wie Erika Schreiter und Hannes Metz eine handwerkliche Ausbildung und so könnte als Untertitel der Ausstellung der Kunstbegriff von Land übernommen werden: Kunst ist die Summe meiner Fähigkeiten. Immer offen für neue Erkenntnisse der Klangforschung und neue Sound-Designs.
SpurensucheErika Schreiter ist auch voller Experimentierfreude in ihren Gemälden aus den letzten 30 Jahren. Ihre abstrakten Kompositionen bestechen durch ihre starke Leuchtkraft und lebhafte Strukturen. Immer wieder sieht man die interessierten und fachkundigen Besucher bei der Spurensuche in ihren Werken. Sie entdecken wie in einem Suchbild Augen, Körper, Tiere und Landschaften. Schreiter verarbeitet in ihren Bildern Erlebnisse aus vielen Reisen, aus denen sie sowohl Anregungen als auch neue Materialien mitbrachte.
Hannes Metz hat für diese Ausstellung neue Objekte geschaffen, hat seinen traditionellen Holzbalken neue Formen, Farben und Lichter hinzugefügt. Durch die Nutzung der LED Technik öffnet sich ein ganz neuer Bereich und bringt Lichtfarben in die Plastiken, die mit den strahlenden Farben von Erika Schreiter und frühlingshaften Klängen von Bernd Michael Land eine Oase im nasskalten Roßdorf bilden. Dieses Zusammenspiel wurde von den Besuchern besonders hervorgehoben.

Vorlesenachmittag 2015Er ist schon fester Bestandteil im Jahreskalender des Kulturhistorischen Vereins: der Vorlesenachmittag der Kinder der Grundschulen von Roßdorf und Gundernhausen.

Am 21.11.2015 war es wieder soweit. In einem Kindergedicht heißt es : "Es kommt eine Zeit, da werden die Tage klein und die Nächte groß und jeder Abend hat einen schönen Namen: Sterntaler – Rumpelstilzchen — "

Einen solchen schönen Abend (Nachmittag) bereiteten die 12 Vorlesekinder: Amelie-Cecile Fox, Roman Schicht, Joyce Benton, Mark Szollar, Yasmin Regniai, Valentin Ahrend, Eva Freudenberger, Jonas Schönfeld (Rehberg-Schule), Mikhey Adonin, Naya Rasch, Jannik Föst, Svea Zimmer (Gundernhäuser Schule) allen, die so zahlreich gekommen waren, sich das gelungene Ergebnis ihrer langen Vorbereitung für diesen Vorlesenachmittag anzuhören.

Für eine musikalische Unterbrechung des Vorleseprogramms sorgten die Gundernhäuser Schulkinder mit heiteren Stücken der Flötengruppe - Hanna war eine fingerfertige Solistin auf der Geige und Svea Zimmer auf dem Akkordeon.

Ein dickes Dankeschön allen Beteiligten sprachen die Rektoren der beiden Schulen aus. B. Pokinskyj und G. Lörincz als Mitglieder des Kulturhistorischen Vereins moderierten den Vorleseablauf.

G. Lörincz

Abschriften mittelalterlicher Handschriften durch Wilhelm Richter

In der heutigen Zeit, in der Texte per Computertastatur erstellt und immer seltener mit der Hand geschrieben werden, steht Wilhelm Richter als ein Mensch, den das harmonische, ästhetische Schriftbild einer kunstvollen Handschrift von Jugend an tief beeindruckt hat.

Besonders begeistert ist Wilhelm Richter von der Pracht mittelalterlicher Handschriften mit ihrem gleichmäßigen Schriftsatz, aufwendig ornamentierten Initial-Buchstaben , den Randverzierungen der Blätter und der Formensprache der kolorierten Miniaturen in den Codices.

Früh zeigte sich aber auch schon im Kunstunterricht während seiner Schulzeit sein ausgesprochenes Talent für die kalligraphische Darstellung von Texten, die weit mehr ist als Schönschrift. Zur Begeisterung für schöne Handschriften kam also auch das individuelle Können. Diese Fähigkeit wurde zu seinem Hobby, dem er ausgiebig in seinen Mußestunden und als Ausgleich zu seinem Berufsalltag als Elektroingenieur nachging. Insgesamt entstanden so neben kleineren Arbeiten 15 Abschriften berühmter mittelalterlicher Handschriften, von denen 9 Werke in der Ausstellung gezeigt werden. Darunter befinden sich der Codex Manesse, die Handschrift über die Jagd mit Falken des Verfassers Kaiser Friedrich II., die Prachtbibel König Wenzels von Böhmen, aber auch eigene Schöpfungen wie das ökumenische Evangeliar des Neuen Testaments mit den vier Evangelisten in jeweils eigener Sprache und Schrift in Hebräisch, Griechisch, Lateinisch und Althochdeutsch und mit Illustrierung durch eigene Miniaturen in mittelalterlicher Manier.

Welche staunenswerten Fertigkeiten Wilhelm Richter mit seinen Abschriften mittelalterlicher Handschriften erreicht hat, kann der Besucher der Ausstellung bewundern. Leider konnte Herr Wilhelm Richter an der Eröffnung der Ausstellung wegen einer Erkrankung nicht persönlich teilnehmen, ansonsten hätten die Besucher sicherlich zahlreiche Fragen zu der Art und Weise, wie er solche kalligraphischen Werke geschaffen hat, an Herrn Richter gestellt.

Zur Ausstellungseröffnung waren leider nur wenige Besucher erschienen. Dies lag vermutlich an dem sonnigen Oktoberwetter an dem Samstagnachmittag.

Ein ausführlicher Bericht über die Ausstellung findet sich im Landkreis Darmstadt-Dieburg-Teil des Darmstädter Echos vom 03.11.2015 auf Seite 19 sowie im Echo-Online.

Rudolf Schug

Ein gelungener Auftritt mit Studierenden der Klavierklasse Friederike Richter von der Darmstädter Akademie für Tonkunst sorgte für großes Interesse im Roßdörfer Museum. Der Kulturhistorische Verein verwirklichte damit seine Absicht, auch jüngeren Künstlern, die sich noch in der Ausbildung befinden, Gelegenheit zu geben, sich öffentlich einem sachkundigen Publikum zu präsentieren. Es spielten insgesamt sechs Studenten der Akademie, überwiegend koreanischer Herkunft, aber auch je eine/einer aus China und Indonesien. Die Pianisten sind fortgeschrittene Schüler der Klavierpädagogin Friederike Richter, einer gefragten Künstlerin, die ihr umfangreiches Können und Erfahrung mit Erfolg an die jüngere Generation weitergibt. Sie moderierte das Konzert, das unter dem Motto „Musikmetropole Leipzig“ stand, und gab zu allen Stücken ausführliche Hintergrund­informationen. Ergänzt wurde das Programm durch eine Komposition für Klarinette und Klavier von Robert Schumann, wobei die Klarinettistin aus der Klasse Michael Schmidt stammte.

Die Zuhörer erlebten eine Darbietung junger Künstler/innen auf hohem Niveau, wobei vieles, beispielsweise die künstlerische Gestaltung, Artikulation und Anschlagstechnik sehr an den Auftritt der Pädagogin Friederike Richter erinnerte, die vor einem Jahr an gleicher Stelle gastierte. Zwei Kompositionen von Johann Sebastian Bach, ein Präludium mit Fuge sowie eine Toccata bildeten den Rahmen um die Papillons und die Fantasiestücke von Robert Schumann herum, bevor zum Schluss der Matinée die Variations sérieuses von Felix Mendelssohn-Bartholdy erklangen. Alle Komponisten wirkten im 18. bzw. 19. Jahrhundert in der Musikstadt Leipzig.

Mit lang anhaltendem Beifall wurden die Künstler verabschiedet, und es wurde vielfach der Wunsch geäußert, derartige Konzerte in Zukunft zu wiederholen.

FJS

Freitag, den 9. Oktober, der Vortragsraum im Museum füllt sich rasch mit rund fünfzig erwartungsvollen Zuhörern. Die Vorsitzende des KHV führt den Referenten des Abends, Dr. Horst Bathon, ein und teilt mit, dass die „Naturdenkmale des Landkreises Darmstadt-Dieburg“ bereits von 1983 bis 1986 von ihm und Georg Wittenberger erstmals erfasst, aufgesucht, bewertet und der Öffentlichkeit als Buch zugänglich gemacht wurden. Annähernd dreißig Jahre später war es nun an der Zeit, die Naturdenkmale des Landkreises erneut aufzusuchen.

Einleitend zeigte der Referent, dass durch den steigenden Flächenverbrauch für Wohn-, Industrie- und Straßenbau, Energiegewinnung u.a.m. viele Biotope vernichtet werden und damit viele Pflanzen und Tiere vom Aussterben bedroht sind. Daher ist ein behördlicher Schutz gerade der bedrohten Lebensräume vonnöten. Zu deren Erhalt wurden und werden verschieden große Gebiete unter Schutz gestellt als Naturschutzgebiete, Nationalparke, Biosphärenreservate oder auch als Naturdenkmale. Letztere sind Einzelschöpfungen der Natur, wie sehr alte Bäume und Felsgruppen aber auch Gebiete bis zu 5 ha Grundfläche.

Die meisten der 50 aktuellen Naturdenkmale im Landkreis Darmstadt-Dieburg wurden in Wort und Bild vorgestellt, so die annähernd 800-jährige Centlinde auf dem Heiligenberg, die etwa 580 Jahre alte Pyramiden-Eiche („Schöne Eiche“) im Harreshausener Feld, Mutter aller Pyramideneichen, oder die „Magnetfelsen“ in der Nähe der Ruine Frankenstein. Flächige Naturdenkmale sind die verschiedenen Flugsanddünen mit ihrer Pflanzenwelt aus den Steppen Osteuropas im Westen des Landkreises und die tief in den Löß eingeschnittenen Hohlen im Osten. Das flache Wiesental („Fuchswiese“) bei Stettbach wurde wegen der vom Aussterben bedrohnten beiden Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, die hier noch in Anzahl vorkommen, als Naturdenkmal unter Schutz gestellt.

Die Zuhörer dankten dem Referenten mit heftigem Applaus für seine Darstellung und die vielen tollen Farbfotos von den Naturdenkmalen, deren Flora und einigen Insektenarten. - Ein Manuskript über die Naturdenkmale des Landkreises liegt vor und soll Ende 2015 / Anfang 2016 als Buch erscheinen.

U. B.

Ausstellung: Fekete – und seine Künstlerfreunde

Foto: Horst BathonFoto: Horst BathonAm 19. Juli um 11.00 Uhr wurde die neue Ausstellung „Fekete – und seine Künstlerfreunde“ im Museum Roßdorf eröffnet. Noch wenige Minuten vor Beginn der Vernissage waren erst wenige Besucher da. Doch dann strömte es, und es fanden sich rasch über 50 Kunstinteressierte ein, um zu sehen und zu hören.

Zu hören war Dr. Roland Held mit seiner ausführlichen Eröffnungsrede, in der er die Frage stellte „Wie kommt man nur dazu, sich einen anderen Maler ins Atelier zu holen!“ Er fing mit Pablo Picasso an, der schon in seinen frühen Jahren Kunst von anderen Künstlern kaufte.

Held fragte sich wie kommt Esteban Fekete dazu, sich einen anderen Maler ins Atelier zu holen. Denn einige der Arbeiten, die in der jetzigen Ausstellung erstmals gemeinsam präsentiert sind, hingen tatsächlich, teils angepinnt, teils mit Klammern an Schnüren, in dem Kellerraum auf dem Stetteritz, wo Fekete seine Druckwerkstatt hatte, Seite an Seite mit vielen Plakaten zu eigenen und fremden Ausstellungen und ihnen offenbar gleichwertig, weil ebenfalls ungerahmt, ungeschützt dem Licht, den Temperaturschwankungen, Staub und Spinnweben ausgesetzt. Ob Fekete nach dem Erwerb gelegentlich noch einen Blick darauf warf, ist nicht zu beantworten. Seines war das Talent eines Künstlers, nicht das eines Archivars.

Picasso hat immer dazugekauft, wenn auch nicht unbedingt systematisch, eher gelegenheitsorientiert und geschmacklich sehr breit aufgestellt, was seine Sammlung letztendlich publik machte. Bei Fekete sind Zukäufe eher zu bezweifeln. Die „Sammlung Fekete“ ist ebenfalls breit aufgestellt, weil sie das ganze Spektrum dessen umfasst, was Künstlerfreunde, Schüler und Verehrer seines Werkes, wie Bruno Müller-Linow, Barbara Beisinghoff, Eich Stahl, Szalay Lajòs, Alfred Pohl, Karl-Heinz Hansen-Bahia, Barbara Steinbach u.a. ihm über Jahrzehnte in die Hand drückten oder postalisch zuschickten, oft als Geburtstag- oder Neujahrsgruß. Meistens Graphisches, ob gezeichnet oder gedruckt, was bei einem bekannten Farbholzschneider ja passend ist.

Sehr schön war, dass einer von Feketes Künstlerfreunden anwesend war, Erich Stahl. Er erzählte uns wie er Esteban Fekete kennengelernt hat und wie der erste Fekete-Holzschnitt in seinen Besitz kam. Er bekam ihn von Fekete höchst persönlich geschenkt.

Erich Stahls Markenzeichen ist den Kupferstich immer wieder zu kombinieren mit anderen Drucktechniken. Bildhaftes, Text und Kalligraphie verschmelzen bei ihm tendenziell zur Einheit, was mehrere ausgestellte Blätter und ein Künstlerbuch eindrücklich zeigten.

Esteban Fekete tritt bei dieser Ausstellung in den Hintergrund; es sind nur sechs Tuschzeichnungen und 2 Holzschnitte von ihm zu sehen. Aber ich denke, Esteban Fekete würde diese Ausstellung gefallen.

U.B.

FlutEmotionSechs Musikerinnen mit Flöten, angefangen von der Piccoloflöte über die normale Querflöte, Altflöte, Bassflöte bis zur Kontrabassflöte, präsentierten am 5. Juli im Roßdörfer Museum ein anspruchvolles Programm mit Werken aus dem Barock bis hin zu moderne Rhythmen wie Tango und Jazz. Die Mitglieder des Ensembles FlutEmotion, Judith Aporta-Ullenboom, Karin Büchler, Nina Groschup, Beate Petri, Natalie Porth und Karoline Schaeferdick kommen weitgehend aus dem Rhein-Main-Gebiet und sind bereits im Rahmen der Aktion Theaterfoyer im Darmstädter Staatstheater aufgetreten.

Der in der Homepage des Ensembles versprochenen Verführung zur Emotion erlagen die Zuhörer gerne. Die glasklaren Klänge der Flöten waren gut aufeinander abgestimmt, wohltuend die professionelle Intonation trotz der an diesem Tag herrschenden schweißtreibenden Extremtemperaturen.

Die Moderation zu den einzelnen Stücken erfolgte abwechselnd jeweils durch eine der Künstlerinnen. Die meisten der aufgeführten Stücke waren nicht in der jeweiligen Originalfassung, wie das Adagio von Mozart für Klarinetten und Bassetthörmer, sondern für das aktuelle Flötenensemble umgeschrieben worden. Zu Beginn erklangen gefällige Kompositionen von Boismortier und Mozart. Es folgte ein Werk der zeitgenössischen amerikanischen Koponistin Catherine McMichael, The Mayflower Suite, das nachträglich in das Programm hineingenommen wurde und eine willkommene Bereicherung des Programms darstellte.

Nach der Pause wurde die Ankunft der Königin von Saba aus dem Händelschen Oratorium Salomon beschworen, und anschließend hörte man 3 Sätze aus der Petite Suite von Claude Debussy, ein rhythmisch und melodisch sehr anspruchvolles Musikstück, das mit großer Professionalität präsentiert wurde. Gegen Ende brachte man eine Bamburina, - einer japanischen Bambusflöten¬musik nachempfunden - des niederländischen Komponisten Wil Offermans zu Gehör. Dieser Komponist hatte übrigens für den Namen des Ensembles „FlutEmotion“ Pate gestanden. Eine Jazz-Suite des Amerikaners Bill Holcombe mit fetzigen Rhythmen rundete das Konzert ab. Der kräftige Applaus aus dem vollbesetzen Museumssaal veranlasste das Ensemble zu einem „Rausschmeißer, wie man hörte, das „Tico Tico“ des Brasilianers Zequinha deAbreu, umgeschrieben auf Flötensextett, ein kurzer krönender Abschluss.

FJS