Veranstaltungsberichte

Foto: Siegmar DehmerKabarett vom Feinsten im Roßdörfer Museum

Wann trifft es so kongenial zusammen, eine kleine Gemeinde, eine aktuelle politische Situation, eine vielseitig begabte, inspirierende, am Puls der Zeit orientierte Kabarettistin und ein aufgeschlossenes, mitgehendes Publikum? In Roßdorf - immer gut für etwas Besonderes, diesmal am 13. April 2013.

Gundula Schneidewind, zartgliedrig und bewegungsstark, fesselte ihr Publikum mit Gebärden und den Dialekten zwischen Hessisch und Westfälisch - ein Ohren- und Augenschmaus der besonderen Art. Tiere menscheln. Pfarrer auch, und die Küsterin Maria weiß sich ebenso in Szene zu setzen wie die Bauersfrau Martha Henkemann. Federboa und Hütchen-Variationen, so sparsam die Requisiten, so vergnügt gluckst das Publikum, gelegentlich auf die Schippe genommen als Neubürger wie Alteingesessene - Nachdenken nicht verboten, sondern erwünscht.

Danke, Gundula Schneidewind und hoffentlich ein baldiges, aktuelles Wiederhören und Sehen. Dass Franz-Jörg Schoenes und Barbara Hechler mit Begrüßung und Edling-Wein auch zum Gelingen beitrugen, sei nicht vergessen.

Text: Ursula Dehmer-Blohm, Foto Siegmar Dehmer

Vernissage im Roßdörfer Handwerksmuseum mit Bildern von Wilhelm Jungmann aus der Darmstädter Residenz

Wer die überaus animierte Veranstaltung am 23. März 2013 miterlebt hat, kann daran nicht zweifeln. Gerold Resch, Vorsitzender des Kulturhistorischen Vereins, begrüßte die engagierten Zuhörerinnen und Zuhörer. Eineinhalb Jahre haben seine Frau Hanne und Dr. Peter Engels, Leiter des Darmstädter Stadtarchivs, das noch vorhandene Bildmaterial von Wilhelm Jungmann zusammengestellt und aufgearbeitet. Der heute fast Vergessene gestaltete die biedermeierliche Vergangenheit der Residenzstadt Darmstadt. 

"Ich werde mich kurz fassen", versprach der Laudator Dr. Peter Engels, der sich nicht so ganz an diese Vorgabe hielt. Wilhelm Jungmann, eine weithin vergessene Größe der Darmstädter Kunstszene, ein begeisterter Maler, Dilettant, ruft mit seinen Zeichnungen und Aquarellen das biedermeierliche Darmstadt der Garnisonstadt rund um das Schloss in Erinnerung. Einige Häuser stehen noch, Reste der Stadtmauer sind in das Darmstadtium integriert. Die liebevoll umrahmten Erinnerungsfotos lohnen mehr als einen Blick. Dr. Engels verwies auf die enge Verbindung der Stadt zur angrenzenden Gemeinde Roßdorf.

Ja, es lohnt sich, diese Ausstellung einer "besonnten Vergangenheit" zu betrachten. Bis zum 26. Mai 2013 ist sie jeden Sonntag von 15 bis 17 Uhr zu sehen, verbunden mit einer Kaffeestunde in der Remise.

Bleibt noch nachzutragen, dass Dr. Heil von Kulturhistorischen Verein zur Vernissage am Flügel Werke von Liszt, Debussy und Chopin spielte.

Ursula Dehmer-Blohm

Hildegard von Bingen zu Gast im Museum des Kulturhistorischen Vereins

Optische Großtafelfreuden bieten sich im Museum des Kulturhistorischen Vereins, erläutert vom Vorsitzenden Gerold Resch und der Kunsthistorikerin Dr. Alice Selinger am Samstag, dem 19. Januar 2013 im vollbesetzten Haus. "Hildegard von Bingen - Heilkunst aus dem Mittelalter", so das angezeigte Thema. Aber tatsächlich war es viel mehr, eine faktengespickte Revue durch die jahrtausendealte Geschichte der Medizin. Kräuter (hier ist tatsächlich Hildegard von Bingen kundig), Schröpfen, Aderlass, primitive, radikale physikalische Eingriffe - Sezieren streng verboten - , Geburtshilfe, den "Weisen Frauen" vorbehalten. "Ich habe gelernt", so Gerold Resch, "dass wir uns glücklich schätzen dürfen, nicht vor lang vergangenen Zeiten haben leiden zu müssen". Alice Selinger erinnerte in ihrem faktenreichen Vortrag daran, dass die allgemeine Lebenserwartung noch vor gar nicht so langer Zeit bei 35 Jahren lag, dass jedes zweite Neugeborene starb, und dass Hygiene-Kenntnisse ein Buch mit sieben Siegeln waren. Einzig Wein und Honig standen als Desinfektionsmittel hoch im Kurs. Und geradezu abenteuerlich war der Aberglaube an Zaubertränke und Ungeziefer. Viel Beifall des einerseits amüsierten, andererseits verschreckten Publikums im vollbesetzten Haus.

Bis zum 13. März ist die Ausstellung an jedem Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Besuch lohnt sich ebenso wie die Kaffeestunde in der Remise. Bleibt noch nachzutragen der Dank an die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer für das Arrangement der Großtafeln.

Ursula Dehmer-Blohm

Kammerkonzert im MuseumDas traditionelle Konzert am Totensonntag im Roßdörfer Museum bot Gelegenheit, Musiker des Darmstädter Staatstheaters aus nächster Nähe zu erleben. Sebastian Röthig (Oboe), Philipp Bruns (Klarinette) und Hans-Jürgen Höfele (Fagott) zeigten als Trio d' anches (Rohrblatt-Trio) eine Kostprobe ihres Könnens und begeisterten die zahlreichen Zuhörer. Der Begriff Trio d' anches bezeichnet ein Ensemble, das aus den drei genannten Rohrblatt-Instrumenten gebildet wird. Obwohl der Klangerzeuger bei diesen Instrumenten sehr ähnlich ist - Einfach-Rohrblatt bei der Klarinette und Doppel­rohrblatt bei Oboe und Fagott - sorgt der dahinter stehende Resonanzraum für unterschiedliche charakteristische Klangfarben.

Musik-Kabarett im Museum Roßdorf am Tag der Friedens-Nobelpreis-Verleihung an die EU

Selten prallen zwei Ereignisse so unvermittelt aufeinander wie am Freitag, dem 12.Oktober 2012 in Roßdorf:

Die Verkündigung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union und die Abendveranstaltung im Museum Roßdorf, das Musik-Kabarett von Hans Georgi,

"Die Welt ist rund" – Erich Kästner für Erwachsene.

Roßdorf ist eben – erinnert sei an Horst Wilhelm – "etwas ganz Besonderes".

Vor der Interpretation eine Frage an Kästner-Freunde und -Kenner: "Was hätte der pessimistische Asphaltliterat des 20. Jahrhunderts ,der einfühlsame Kinderbuchautor von Pünktchen und Anton, Emil und die Detektive und dem Doppelten Lottchen gedacht, gesagt, geschrieben zu diesem Doppel, wenn er es hätte erleben können?

Wir schlagen nach in seiner "Lyrischen Hausapotheke", blättern in seinem "Herz auf Taille" und freuen uns auf der Soiree mit Hans Georgi, seinem Begleiter Meinolf Bauschulte, den wenigen, kunstsinnig arrangierten Requisiten. Dr. Albrecht Dannehl hatte die Gäste im vollbesetzten Saal des Museums begrüßt mit dem wohl bekanntesten Bonmot des Autors:

"Es gibt nichts Gutes. Außer: Man tut es!"

Foto: Dietmar DehmerUnd dann, Bühne frei für Hans Georgi, beschwipstem Klavier, flotten Sprüchen und viel Phantasie. Das Arrangement der Kästnerschen Impressionen verführt zum Lesen – kein kleines Kompliment an den Arrangeur, Erich Kästner dem Vergessen zu entreißen.

Vierhundert Veranstaltungen in bundesdeutschen Bildungseinrichtungen hat Hans Georgi bereichert, in Roßdorf zu historischer Stunde. "Die Welt ist rund" am unvergesslichen Tag der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU.

Danke an Interpret, Arrangeur und Organisatoren.

Zum viel gepriesenen Beifall nicht nur Edling-Wein an die Herren, sondern auch Blumen für die Dame, die Museumsleiterin Barbara Hechler.

Text: Ursula Dehmer-Blohm, Foto: Siegmar Dehmer